Eagle-one: Der Linienpilot (Pilotenausbildung)

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Eagle-one
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Eagle-one: Der Linienpilot (Pilotenausbildung)

Beitrag von Eagle-one » 05.11.2009 17:17

Hallo zusammen!

Wie ich schon im Bericht (My Way) erwähnt habe, scheint der Traumberuf immer noch Airlinepilot zu sein. Angeregt durch etliche Fragen die ich per PN bekommen habe,  möchte ich hier einmal genauer schildern wie eine Linienpilotenlaufbahn aussehen kann, aber nicht unbedingt sein muss.  Aber es gibt natürlich auch andere Laufbahnen auf die ich auch noch zu sprechen komme. Für den Linienpilot  kann es je nach Airline sehr verschieden sein. Bei mir sah das damals  ungefähr folgendermassen aus:

Voraussetzung war natürlich das man den Schein schon hatte und auch schon etliche Flugstunden absolviert hatte.  Und durch die militärische Karriere standen mir die Türen sicher offener als anderen.

Man begann als Copi auf der Basisflotte und sammelte Erfahrung indem man kreuz und quer durch Europa jettete. Nach ca. 1,5 - 2 Jahren kam man in einen CCQ (Cross Crew Qualification) Kurs, und wurde  auf anderen Flieger geschult. Nach diesem Kurs war man MFF (Mided Fleet Flying)-berechtigt, d.h. man flog abwechslungsweise mit verschiedenen Maschinen der  gleichen Familie  in Europa und an die amerikanische Ostküste und mittleren Osten. Wenn ein Bedarf an Copis für MD11 da war, konnte man sich da melden und wurde der „Seniorität“ nach (dh. Nach Dienstjahren) umgeschult. War man dann soweit flog man dann ausschliesslich MD11. Je nachdem wie gross der Bedarf an Captains war, dauerte die Zeit als Co-Pilot  zwischen 8-14 Jahre.

Ist man dann endlich zuoberst auf der Liste (sortiert nach Dienstjahren und es besteht ein Bedarf an Captains, dann kam das grosse Ziel eines jeden Co-piloten: Das Upgrading vom Copiloten zum Captain. Dieses besteht heute noch, aus einem Kurs mit Theorie und Simulator der ca. 6-8 Wochen dauert. Anschliessend geht's endlich auf dem linken Sitz, mit einem normalen Co-Piloten rechts und einem Instruktor auf dem Jumpseat auf die Strecke.  Bis 7 Rotationen ist man zu dritt, wobei die letzte Rotation der Finalcheck ist. Wenn man alle Rotationen ohne grössere Probleme hinter sich gebracht hat und die sehr kniffligen Fragen der Instruktoren richtig beantworten konnte, dann gab es oder gibt es die vierte Nudel  auf dem Aermel  und auf der Achsel. Man wird endlich zum Captain,  der sich aber zuerst wieder auf Kurzstrecken die Sporen abverdienen muss, bevor er dann auf Maschinen der Klassen wie z.B. 747 und A340 Captain wurde.

Es gab oder gibt natürlich heute noch Ausnahmen, z.B. Leute die mit der Zeitverschiebung,  gesundheitlichen Gründen auf der Langstrecke nicht zurecht kommen, fliegen dann deshalb ausschliesslich Kurzstrecke. Auch kam es von Zeit zu Zeit mal vor, dass jemand das Upgrading nicht bestand oder abbrach. Auch das wird sich heutzutage nicht geändert haben.  In der Regel fliegt man dann ein Jahr lang als Copilot weiter, hat dann aber nochmals eine Chance das Upgrading zu machen.  Dass einer ein Leben lang dann als Copilot blieb, gab es so zu sagen nie! Diejenigen die es nicht schafften, gingen dann meistens und schauten sich bei kleineren Airlines um wo vielleicht die Anforderdung nicht so hoch waren.  

Es kann auch anders laufen. Wie ich von deutschen Kollegen erfahren musste!  Insbesondere in Deutschland beherrschen viele kleinere, gut etablierte Carrier’s  das Spiel: Titel statt Geld. Das war auch bei Crossair so. So bietet Gesellschaften ihren -jungen- Piloten, die auf Turboprop beginnen bereits nach ca. 2000 Flugstunden ein Upgrade zum PIC (Pilot in Command) an, auch um die Leute zu halten. Denn anfangs bestand das Problem, dass "Nachwuchskräfte rasch versuchten, auf Jets umzusteigen, was enorme Personalprobleme mit sich brachte.

Andererseits,  Einige Gesellschaften in Deutschland verlangen für Neueinsteiger nicht nur das übliche ready entry (incl. Typerating) sondern auch über  1000 Flugstunden auf dem Modell, um überhaupt als FO mitmachen zu dürfen. Und hier geht es erst bei ca. 5-6000 Stunden aufwärts zum PIC, sofern überhaupt Bedarf herrscht.
Heutzutage ist es sicher nicht leicht, die Entscheidung für diesen harten und steilen Weg zu gehen!

Ich kann allen Jugendlichen nur eines empfehlen: Ueberlegt es euch gut, sehr gut, denn es gibt auch andere Varianten des Piloten Daseins. Auf alle Fälle niemals (und das meine ich wirklich) eine ATPL erwerben, ohne eine  "richtige" Berufsausbildung zu haben. Die Pilotenkarriere mag sehr reizvoll sein, gilt aber weltweit nur als höchstqualifizieter Job und NICHT als Beruf!!! (Zitat von Peter Guth)

Genau dieser noch so tolle JOB ist nämlich enormen Risiken (gesundheitlich, beruflich, companybedingt...) ausgesetzt und diese können ein urplötzliches "GAME OVER" bedeuten. Und wer da kein persönlichen Berufshintergrund hat, geht in die Misere!

Ein persönliches Beispiel gefällig:  Swissair-Grounding  - 2.Okober  2001!! Zwar gab es sehr gute Abfindungen und Pensionsgelder, aber der Schock und der Tiefschlag sass lange in den Knochen. Ich zog ich mich deshalb gerne als Privatier zurück. Aber das konnte es ja nicht gewesen sein. Den weiteren Verlauf kennt ihr ja aus meinem ersten Bericht. Dazu muss ich sagen, dass ich einfach Schwein hatte, weil ich damals schon immer ein wenig zweispurig gefahren bin, obschon ich das gar nicht hätte machen dürfen, weil es von der Airline aus verboten wurde.  Andere haben ihre Lizenzen und viel mehr verloren.  Ihr seht also, jede Münze und wenn sie noch so glänz….hat auch ein andere Seite.
Mein Rat: Betreibt erst die Fliegerei als Hobby und macht eure Flugscheine in der Freizeit, erlernt aber einen Beruf oder macht ein Studium wo ihr später immer wieder zurückgreifen könnt. Zum anderen kommt…….wer sich nur noch der Fliegerei widmen will………braucht einen Daddy der hinten links sehr gut gepolstert ist, wenn ihr wisst was ich meine. Aber über die Preise könnt ihr euch selbst im Netz informieren!  

Ich hoffe ich konnte euch allen mit diesem zweiten Bericht einen tieferen Eindruck über den Linienpiloten geben. Andere Sparten in der Fliegerei werde ich euch in einem anderen Thread erklären und erläutern!

Blue sky & happy landing

Eagle-one  
Zuletzt geändert von fanofall am 07.02.2012 18:41, insgesamt 1-mal geändert.
WER AUFHÖRT SICH ZU VERBESSERN.........HÖRT AUF GUT ZU SEIN!!!
Lieber verrückt das Leben geniessen als sich normal langweilen
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Swissair 111 for ever
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